zeitliche Schichtung des Lausitzer Weinanbaus Teil I


über den Beginn des Lausitzer Weinanbaus

Über die Anfänge des Niederlausitzer Weinbaues gibt es keine Nachrichten. Nach übereinstimmender Meinung aller Autoren, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben, ist der Weinbau während der mittelalterlichen Kolonisation im 12. und 13. Jahrhundert durch deutsche Einwanderer aus Franken und dem Rheingebiet eingeführt worden. Ein Zeugnis dafür ist z.B. Frankenhain bei Schlieben, 1384 erstmals erwähnt, und bezeichnet die an einem Hain gelegene Siedlung der Franken. Für einen Weinbau bereits in slawischer Zeit gibt es keinerlei Belege94. Vielfach wird auch den Klöstern ein besonderer Einfluss bei der Einführung und der Ausbreitung des Weinbaus zugeschrieben. Ob diese für andere Gebiete sicher gültige Feststellung auch für die Niederlausitz zutrifft, bleibt indessen fraglich und kann aus den vorliegenden Quellen heraus nicht entschieden werden. Nachgewiesen ist aber der große Anteil der Zisterzienser-Klöster Dobrilugk und Neuzelle an der Einführung des Weinbaus in der Lausitz. Das schnelle Aufblühen des Weinbaus in den Städten legt vielmehr die Vermutung nahe, dass der Weinbau vor allem durch die Schicht der städtischen Bürger gefördert worden ist. Aber auch Adel und Bauernschaft dürften von Anfang an eine Rolle bei der Ausbreitung des Weinbaus in der Niederlausitz gespielt haben. Dass schon bald nach der deutschen Besiedlung des Landes Weinberge angelegt worden sind, zeigt eine Doberluger Urkunde vom Jahre 1210. Damals schenkte Markgraf Konrad dem Kloster Doberlug u. a. die Zehnten von einem Weinberg in Schlabendorf bei Luckau. 1280 gestattete Markgraf Heinrich den Bürgern von Guben, die Viehweide um die Stadt zu Hopfengärten und Weinbergen zu verwenden. Ein weiteres Beispiel für einen derartigen Vorgang haben wir in Luckau, wo 1367 Herzog Bolko der Stadt gestattete, Weingärten in beliebiger Zahl anzulegen, und zwar vor allem auf dem Berge, auf dem das Gericht stand.

das 14.- und 15. Jahrhundert

Im 14. Jahrhundert war der Weinbau in Guben bereits in voller Blüte und seine Produkte bildeten einen wichtigen Handelsartikel. Das Landregister der Herrschaft Sorau vom Jahre 1381 enthält an sechster Stelle der zollpflichtigen Waren neben „gutem Wein“ auch Landwein, worunter sicher einheimischer, d. h. in der Niederlausitz erzeugter Wein zu verstehen ist. Auch anderenorts in der Niederlausitz muss eine relativ späte Erwähnung des Weinbaus eher als quellenbedingte Lücke denn als Beweis eines Nichtvorhandenseins gewertet werden. Auch im 15. Jahrhundert bleiben die Nachrichten über den Niederlausitzer Weinbau spärlich. Eine bedeutende Rolle spielte der Weinbau weiterhin in Guben, wo in den 1430 einsetzenden älteren Stadtbüchern zahlreiche Zeugnisse dafür vorliegen. Sonst aber ist der Weinbau für dieses Jahrhundert nur noch für die Dörfer Schlagsdorf, Kaltenborn und Amtitz, das Kloster Neuzelle und die Städte Sommerfeld und Senftenberg zu belegen. Aus verschiedenen urkundlichen Erwähnungen für Sommerfeld lässt sich entnehmen, dass auch dort der Weinbau einen ziemlichen Umfang erreicht hatte. Erst im 16. Jahrhundert fließen die Quellen reichlicher. Nicht nur für die meisten Niederlausitzer Städte, sondern auch für eine ganze Reihe von Dörfern liegen jetzt Nachweise vor.


das 16.- und 17. Jahrhundert

Es liegen daneben aber doch einige Angaben vor, die darauf hindeuten, dass der Niederlausitzer Weinbau im 16. Jahrhundert, wahrscheinlich durch eine klimatisch günstige Periode mit vielen guten Weinjahren gefördert, einen gewissen Höhepunkt erreicht hat. Vor allem hören wir jetzt von Neuanlagen von Weinbergen. So berichtet eine Gubener Chronik96 zum Jahre 1541, dass um diese Zeit die Bauern auf den Dörfern angefangen hätten, Weinberge anzulegen und auch schon ziemlich viel Wein gewonnen hätten, wodurch der Absatz des Stadtweins einen merklichen Rückgang erlitten habe. Anfang des 17. Jahrhunderts scheint indessen eine rückläufige Tendenz eingesetzt zu haben, denn in Witzen bei Sommerfeld wandte sich 1621 die dortige Grundherrschaft scharf gegen das Bestreben einiger Bauern, ihre Weinberge in Äcker umzuwandeln: „Weil etzliche unter den Wendischen ihre Weinberge eingehen lassen und Äcker daraus machen und dem Wein-Genieß schaden, so sollen sie die Weinberge in Acht nehmen, denn lhro Gnaden (der Graf Promnitz) wird Aufsicht geben, und wenn einer darin gesäet hat, soll er nicht allein um das Getreide kommen, sondern auch noch bestraft werden“98. Der Dreißigjährige Krieg mit seinen auch in der Niederlausitz schweren Verwüstungen und Menschenverlusten hat den Niederlausitzer Weinbau sicher empfindlich gestört, doch dürfen die Auswirkungen dieses Krieges auf den Weinbau auch nicht überschätzt werden. Gewiss wurden manche der verwüsteten Weinberge nach dem Kriege nicht wieder hergerichtet, wie z. B. der herrschaftliche Weinberg in Klein Jamno bei Forst und der Weinberg bei der Jankemühle im Amt Friedland. Auf den Dreißigjährigen Krieg wird auch das Zurückgehen bzw. Aufhören des Weinbaues in Forst, Cottbus und Luckau zurückgeführt. Aber an den meisten Orten hat sich der Weinbau doch gehalten und gelangte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu einer neuen Blüte. Auf den Kaltenborner Bergen bei Guben finden wir 1670 sechs Weinberge mehr als 1573.

das 18. Jahrhundert

Auch in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts wurde der Weinbau trotz einer Reihe ungünstiger Weinjahre um die Jahrhundertwende noch vielerorts eifrig betrieben. Von einer Neuanlage von Weinbergen hören wir 1725-29 aus Hartmannsdorf bei Lübben. Andererseits gab es bei Cottbus 1718 auch sogenannte alte Weinberge, „davon aber weder Stock noch Stiel von Weinbergen, sondern nur Ackerfeld zu sehen“99. Einen schweren Schlag erlitt der Niederlausitzer Weinbau dann aber durch den äußerst harten Winter 1739/40, in dem nahezu alle Weinstöcke zugrunde gingen. Jetzt wurden zahlreiche Weinberge aufgelassen und so treffen wir z. B. in dem zwischen 1750 und 1760 aufgenommenen Neuzeller Stiftsatlas bei vielen Dörfern auf „Weinberge“, auf denen kein Weinbau mehr betrieben wurde. Verschiedentlich hören wir aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch von Neuanlagen von Weinbergen, z. B. von Deulowitz bei Guben, Lübben, Luckau und Sorau. Im Allgemeinen spüren wir in dieser Zeit bereits deutlich einen Rückgang des Weinbaus. Ungünstig wirkten sich auch die erhöhten Zölle und Einfuhrbeschränkungen des Merkantilismus aus, wodurch z. B. der früher blühende Weinexport von Guben völlig zum Erliegen kam104. Immerhin gab es um 1790 im Markgraftum Niederlausitz (also ohne Cottbus und Sommerfeld) noch 780 Morgen Weinberge38.